Proyecto Arqueologico Sechín Bajo Casma, Peru (2003)
Auftraggeber:
Projektlleitung Dr. Peter Fuchs, Freie Universität Berlin
Ausführungszeitraum: 2003
Aufgabenstellung:
Das Casma-Tal ist das Tal der Kultbauten: In keinem anderen Tal Perus stehen so viele und so gewaltige Gebäudekomplexe so dicht beieinander wie hier – die ältesten davon wurden vor mehr als 4000 Jahren errichtet. Sie markieren den Übergang von eher ungeschichteten Agrargesellschaften zur Herausbildung zentraler Herrschaft mit Monumentalbauten – zuerst an der Küste, dann im Hochland. Eines dieser gewaltigen Monumente ist der Fundplatz Sechín Bajo, dessen Untersuchung neue Erkenntnisse über diese Anlagen liefern soll.
Unsere Beteiligung an dieser ersten Kampagne des Projektes hatte zum Ziel, Grundlagen zur Entwicklung von Restaurierungs- und Konsolidierungsverfahren für die zu ergrabenden und ca. vor 3600 Jahren aus Lehm gefertigten baugebundenen Befunde der Grabung in Sechín Bajo zu legen. In diesem Rahmen waren die Restauratoren Jörg Breitenfeldt und Swantje Saadhoff für vier Wochen vor Ort. Die durchgeführten Arbeiten gliedern sich in die Bereiche:
- Befund- und Bauwerksuntersuchungen zur Lehmputztechnik des vermutlich 3600 Jahre alten Tempels
- Materialuntersuchungen vor Ort
- Feststellung des Erhaltungszustandes und der Schäden an den Lehmputzen
- Erfahrungsaustausch und Kooperation mit peruanischen Restauratoren
- Erste Muster und Tests zur Restaurierung von originalen Lehmputzen vor Ort

Grabungshügel im Tal von Casma
Befund- und Bauwerksuntersuchungen
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Ziel der Befund- und Bauwerksuntersuchungen zur Lehmputztechnik des Tempels war die Ermittlung der Herstellungstechnologie und der technischen Funktionsweise der Lehmverputze am Tempel von Sechín Bajo.
Der Lehmverputz ist in der Regel auf einem im Mörtelbett versetzten Bruchsteinmauerwerk (Gestein der umgebenden Hügelketten) ausgeführt. Die freigelegten Bereiche wurden durch die Schuttmassen hervorragend konserviert. Die Lehmputze zeigen in der Regel gut die ursprünglichen Oberflächen
Materialuntersuchungen vor Ort
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Bereits in Vorbereitung der Grabung wurden durch uns naturwissenschaftliche Untersuchungen der Lehmzusammensetzung und Salzanalysen veranlasst und vorgenommen. Die Materialuntersuchungen vor Ort dagegen erfolgten mit den vor Ort zur Verfügung stehenden einfachen Mitteln und somit weitgehend experimentell. Ziel der angestellten Untersuchungen war es, einfache und aus der restauratorischen Praxis entlehnte Verfahren anzuwenden, um deren Praxistauglichkeit zu testen.
Erhaltungszustand und Schäden
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Eine Untersuchungsziel war die Feststellung der vorhandenen (stillen) und zukünftig noch wirksamen (potentiellen) Schäden an den Lehmputzen. Entscheiden für eine Prognose zum zukünftigen Schadensverlauf sind in der Regel die noch wirksamen Schadensfaktoren.
Die in Sechín Bajo Casma anzutreffenden Schäden lassen sich prinzipiell in zwei Bereiche unterteilen. Erstens, der Verlust der Bindung der Lehmputzschichten zum Untergrund (Mauerwerk) und zwischen den Lehmputzschichten, und zweitens, der Verlust der strukturellen Bindung des Lehms. Bei einem Verlust der strukturellen Bindung des Lehms zeigt sich ein besonders hohes und schwer zu beherrschendes Schadenspotential. Bisher gibt es für Lehm, aufgrund seiner divergierenden mineralogischen Zusammensetzung, keine standardisierten Verfahren zur strukturellen Verfestigung. Der Schwerpunkt für die nächsten Kampagnen wird daher auf einer Erprobung der Möglichkeiten für die strukturelle Verfestigung liegen.
Erfahrungsaustausch und Kooperation mit peruanischen Restauratoren
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Im Rahmen der Kampagne wurden mehrere Treffen mit peruanischen Restauratoren und Archäologen durchgeführt. Unter anderem wurden die Ausgrabungsstätten in Trujillo (Huaca de la Luna) unter Leitung von Dr. Ricardo Morales Gamarra und die Grabung in El Brujo besucht.
Muster und Tests zur Restaurierung von gefährdeten Lehmputzen
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Unsere Muster und Tests demonstrieren vorerst nur einen begrenzten Ausschnitt möglicher Konsolidierungsverfahren.
Zu folgenden Problemen wurden erste Tests und Musterflächen angelegt: Hinterfüllung und Anböschung abgängiger Bereiche des Verputzes, Kleinstflächenkonsolidierung, Rissbehandlung und Verklebung, Konsolidierung des Materials mit anorganischem Festiger (KSE).
Es wurden erste praktische Erfahrungen hinsichtlich der Kombination traditioneller peruanischer und europäischer Restaurierungsverfahren gesammelt. Erste Testflächen zur Beurteilung der Wirksamkeit der angewendeteten Konsolidierungsverfahren wurden angelegt.
Graffiti im Lehmputz
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An einem Mauerabschnitt des Tempelanbaus wurden bei der Grabung spektakuläre Graffiti im Lehmputz entdeckt. Auf einer Länge von über 40 m wurden zahlreiche vorgeschichtliche Ritzungen mit figürlichen Darstellungen und Mustern im Lehmputz entdeckt. Die Bedeutung dieser "Malschule" ist noch nicht geklärt.
Weiter Informationen zum Projekt hier




















